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Pressespiegel:
Keldenich, 07. November 2004
Von Johannes Rau für die SPD geworben
Josef Mendel wird 80
trotz 80 - der Keldenicher Ortsvorsteher hat noch politische Pläne

Josef Mendel - wer sonst?
Herzlichen Glückwunsch: Josef Mendel wird 80!
Er "diente" im Zweiten Weltkrieg in Weißrussland unter Erich Honeckers Schwager Franz Hoppstädter; mit dem ehemaligen NRW-Ministerpräsidenten und Ex-Bundespräsidenten Johannes Rau ist er per du. Bei der jüngsten Kommunalwahl, im September, holte er in der Gemeinde Kall, die in 16 Wahlbezirke aufgeteilt ist, das einzige Direktmandat für die SPD, und zwar in Keldenich. Dort, in seinem Heimatdorf, ist Josef Mendels Wahlsieg sozusagen Tradition.

Am Dienstag, 9. November, feiert Mendel, der Senior im Kaller Gemeinderat, einen runden Geburtstag: 80 Jahre alt wird der nimmermüde Sozialdemokrat, der trotz seines hohen Alters noch mitten im Leben steht.

Ein Lebenstraum, nämlich den Beruf des Bäckers oder des Kochs zu ergreifen, wurde dem 1924 in Keldenich geborenen Josef Mendel nicht erfüllt. Als viertes von sieben Kindern musste er in den landswirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern einsteigen, nachdem er acht Jahre lang die Keldenicher Volksschule besucht hatte. Danach folgte eine zweijährige Fortbildungsschule unter dem damaligen Lehrer Müller. Noch heute erinnert sich Josef Mendel an den strengen Lehrer "met dem stiefe Been" (Mendel), bei dem der Unterricht jeden Tag mit dem Lied "Wir fahren gegen Engeland" begann.

1942 wurde auch Josef Mendel zur Wehrmacht eingezogen. Zuletzt war er als Infanterist in Weißrussland eingesetzt. Sein letzter Gruppenführer war Franz Hopp^städter, der Schwager des späteren DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. 1945 nach Keldenich zurückgekehrt, musste er sich wieder der heimischen Landwirtschaft widmen. 1947 heiratete er. Von seinen drei Kindern starb ein Sohn im jugendlichen Alter.

Auch seine erste Ehefrau ist inzwischen tot. Am 2. April 1992 heiratete Mendel seine jetzige Gattin Musa standesamtlich. Zwei Jahre später, an seinem 70. Geburtstag, führte er sie zur kirchlichen Hochzeit vor den Traualtar.

Die Landwirtschaft gab Mendel in den 60er Jahren auf. Er arbeitete danach auf der Metallhütte, wo er wöchentlich 80 bis 90 Stunden schuftete. Zuletzt, bis er in Rente ging, war er im Blumenthaler Walzwerk Poensgen beschäftigt.

Obwohl er immer mit den Sozialdemokraten sympathisierte, hatte Josef Mendel mit der aktiven Politik lange Zeit nichts am Hut. Das sollte sich 1988 ändern, als der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Johannes Rau anlässlich der 750-Jahr-Feier in Kall zu Gast war. Im Hotel "Eifeler Hof" entwickelte sich damals ein Gespräch zwischen dem SPD-Wähler Josef Mendel und dem Landesvater. Es endete damit, dass Rau den damals schon 64-jährigen Keldenicher an Ort und Stelle höchstpersönlich in die SPD aufnahm.

Es entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen den beiden Sozialdemokraten. Telefonate mit Rau wurden zur Normalität, wobei der Keldenicher auch nicht davor zurückschreckte, "demm och ens de Meenung ze sage". Johannes Rau ermunterte seinen neuen Parteifreund schließlich, bei der Kommunalwahl 1989 als SPD-Bewerber für den Gemeinderat zu kandidieren.

In dem inzwischen verstorbenen Walter Kaster, der damals im Wahlbezirk Keldenich/Dottel stets ein Direktmandat geholt hatte, fand Mendel einen kompetenten Lehrmeister. Als er dann 1989 als 65-Jähriger zur Wahl antrat, wurde er von der CDU ausgelacht, weil er gegen Hans Kaiser antreten musste. Am Ende lachte aber Josef Mendel, nachdem er das Direktmandat gegen den heutigen Bürgermeister gewonnen hatte.

Bis heute hat sich daran nichts geändert. Mendel ist nach wie vor der einzige Garant für ein rotes Direktmandat. "Für mich ist das ganze Jahr über Wahlkampf", sagt der Keldenicher. Die Pflege seines Wahlbezirks habe für ihn oberste Priorität. In der dritten Legislaturperiode ist er auch schon Ortsvorsteher.

Ein Vereinsmeier ist Mendel aber nicht. "Entweder in allen Vereinen oder in keinem", lautet sein Credo. Ein großes politisches Ziel hat der 80-Jährige noch vor Augen. Nachdem er als Altersvorsitzender des Rates den Bürgermeister Hans Kaiser schon zwei Mal ins Amt eingeführt hat, will er in drei Jahren auch Kaisers Nachfolger vereidigen.

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