NRW-SPD-Chefin Hannelore Kraft im RP- Interview zur NRW Schulpolitik
"Die Selektion von Kindern im Alter von neun Jahren ist falsch"
Auszüge aus Interview mit der Rheinischen Post
Die Chefin der NRW-SPD und Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion
Rheinische Post: Stichwort Schule: Sie wollen die Gemeinschaftsschule mit einer Orientierungsstufe in den Klassen fünf und sechs und - parallel darauf aufbauend - unterschiedliche Schulformen unter einem Dach. In der SPD gibt es aber auch viel Sympathie für die Gesamtschule.
Hannelore Kraft:"Die flächendeckende Einführung der Gesamtschule würde eine Verfassungsänderung bedingen. Dafür sehe ich keine Mehrheit. Ich gehe das pragmatisch an. Die Gemeinschaftsschule ist ein gutes Modell, weil es flexibel ist. Ich will keinen Schulkampf, sondern alle mitnehmen."
Rheinische Post: Warum wollen Sie in der Bildungspolitik unbedingt umsteuern?
Hannelore Kraft: Die SPD hat auf die Veränderung der gesellschaftlichen Bedingungen nicht schnell genug reagiert. Das war ein Fehler. Die Chancen waren nicht mehr gleich verteilt. Das gegliederte System hilft aber nicht mehr weiter. Die Selektion von Kindern im Alter von neun Jahren ist falsch. Das sagen alle Wissenschaftler. Wir müssen mehr Kindern mehr Chancen geben. Das zahlt sich für den Einzelnen und die Gesellschaft aus.
Reinische Post: Sind sie ein strenge Mutter?
Hannelore Kraft: "Ja!"
Rheinische Post: Eine klare Antwort...
Hannelore Kraft: "Kinder müssen lernen, Regeln einzuhalten. Da sind vor allem die Eltern gefordert. Die müssen hingucken, was im Kinderzimmer vor sich geht. Ich halte nichts davon, wenn Kinder unkontrolliert und ohne zeitliche Begrenzung im Internet surfen können und ihren eigenen Fernseher haben."
Das Interview führten Detlev Hüwel, Thomas Seim und Gerhard Voogt.