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 |  |  |  | Kall, 04. Februar 2007 |
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Die Rede war vage und bescheiden genug angedeutet worden: „Europas Rolle in einer neuen Weltordnung“.(...) Deutsche Politiker, deren Haltbarkeitsdatum abzulaufen droht, wenden sich gern der Europa-Politik zu. Jürgen Rüttgers, CDU-Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens und nach Umfragen der bekannteste sozialdemokratische Politiker seines Landes, macht da keine Ausnahme. (...) Aus Rüttgers spricht aber nicht die Ratio, sondern das Ressentiment. Wenn „die Menschen“ angeblich gegen Liberalisierung sind, aber zu Millionen – und zu Recht - mit den neuen Billigfliegern in Europas Städte reisen; (...) wenn „die Menschen“ angeblich keine Erweiterung der Union wollen, aber in einer sicheren internationalen Umgebung leben wollen, dann wäre es ja Aufgabe verantwortlicher Politik, ihnen zu erklären, warum die Gewinne durch die Globalisierung die Verluste um ein Vielfaches überwiegen – und sich um diejenigen zu kümmern, die zu den Verlierern gehören. (...) Ganz und gar schräg wird der Ausflug des Ministerpräsidenten in die große Politik, als er sich dem Thema Weltinnenpolitik zuwendet. Als wäre er ein Grüner aus den 1980er Jahren, fordert Rüttgers, die UN zu einer „transnationalen“ Regierung auszubauen, indem Europa „als ersten Schritt die Sicherheitsratsentscheidungen zum Gegenstand der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik macht“. Man muss sich einmal ausmalen, wie eine europäische Sicherheits- und Außenpolitik aussehen würde, die nicht in Europa von den Europäern, sondern in New York formuliert würde, und über die neben Amerika ausgerechnet Russland und China eine Veto-Gewalt hätten, um den hanebüchenen, gefährlichen Unsinn dieser Überlegung zu realisieren. Und weiter zitiert DIE WELT den Ministerpräsidenten: (...) „Der von der westlichen Zivilisation auf traditionalistische Gesellschaften und Kulturen ausgehende Anpassung- und Veränderungsdruck in allen Lebensbereichen provoziert Abwehrkräfte – eine davon ist der transnationale Terrorismus.“ Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: der Westen „provoziert“ den Terror. Der Terror ist eine „Abwehrkraft“. Eine Erklärung dafür, warum die „traditionalistischen“ Gesellschaften Afrikas, Ostasiens oder Lateinamerikas keinen Terror gegen den Westen produzieren? Fehlanzeige. Ein Hinweis darauf, dass die Terroristen sämtlich eine radikale Form des politischen Islam vertreten? Fehlanzeige. Ein Nachdenken über die Frage, weshalb es sich, vom reichen saudischen Geschäftsmann Osama bin Laden über den Städtebauer Mohammed Atta und seine Hamburger Studenten-Zelle bis hin zu den in England geborenen U-Bahn-Bombern von London oder dem „Bremer Taliban“ Murat Kurnaz, der zum Heiligen Krieg nach Afghanistan aufbrach, eben nicht um Menschen, die „dem Anpassungs- und Veränderungsdruck“ in „traditionalistischen Gesellschaften“ ausgesetzt sind, sondern um privilegierte, westlich sozialisierte Menschen handelte? Fehlanzeige.
Soweit die Auszüge aus DIE WELT. Wie? Sie wollen es nicht glauben? Dann finden Sie bei uns den Link zum entsprechenden Artikel.
Links: Rüttgers - überheblich, beleidigend und gemeingefährlich naiv
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