 |  |
 |  |  |  | Kall, 30. Oktober 2007 |
 |
 |
 |
 |
Die rheinland-pfälzische Landesregierung wird die Hauptschulen bis 2013 abschaffen und durch erweiterte Realschulen ersetzen. "Unser Ziel ist, möglichst viele Schülerinnen und Schüler zu guten und höheren Bildungsabschlüssen zu führen, um den zukünftigen Fachkräftebedarf zu decken", sagte Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) in Mainz.
Neben Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen soll es landesweit nur noch die "Realschule plus" geben. In dieser neuen Schulform können die Schüler sowohl den Hauptschulabschluss als auch die Mittlere Reife erwerben.
Nach Ahnens Worten wird es in der "Realschule plus" eine Orientierungsstufe bis zur Klasse sieben geben, in der die Schüler zunächst gemeinsam lernen. Daran anschließend ist je nach Schule die Trennung der Bildungsgänge in einen Haupt- und einen Realschulzweig oder ein weiterer gemeinsamer Unterricht aller Schüler möglich. Die Klassengröße soll in der Orientierungsstufe auf 25 Schüler begrenzt werden.
Um die neue Form der Realschule weiter aufzuwerten, soll ihr nach Möglichkeit vor Ort eine Fachoberschule angegliedert werden, an welcher die Jugendlichen die Fachhochschulreife erwerben können, erklärte Ahnen. Dies sei ein wichtiges Signal an die Eltern, dass die "Realschule plus" hervorragende Perspektiven für ihre Kinder biete. Reform soll 2009 greifen
Die Ministerin kündigte eine baldige Novellierung des rheinland-pfälzischen Schulgesetzes an. Die Schulreform soll dann 2009 beginnen. Ab dem Schuljahr 2013/14 ist die neue Struktur dann verbindlich, sagte die SPD-Politikerin. Spätestens dann soll es in Rheinland-Pfalz keine eigenständigen Hauptschulen mehr geben.
Mit der Reform reagiert die Landesregierung auf das veränderte Wahlverhalten der Eltern und greift die demographische Entwicklung auf, erklärte Ahnen. Sowohl der Bevölkerungsschwund in den ländlichen Gebieten als auch die schwindende Akzeptanz der Hauptschule in der Bevölkerung führen dazu, dass immer weniger Eltern ihre Kinder nach der Klasse vier an Hauptschulen anmelden.
Lehrerverbände reagierten kritisch auf den Reformplan. So erklärte der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, mit der Abschaffung der Hauptschule ließen sich nicht die Hauptschüler und deren individuelle Bedürfnisse auf Förderung abschaffen: "Im Endeffekt werden die Verlierer die bisherigen Hauptschüler, aber auch die bisherigen Realschüler sein." Kraus warf der Mainzer Landesregierung vor, die Hauptschulen seit 1991 gezielt vernachlässigt zu haben.
Dagegen kritisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Reform als nicht weitgehend genug. "Das Konzept der Landesregierung ändert nichts daran, dass Schülerinnen und Schüler nach wie vor mit zehn Jahren, und damit viel zu früh, auf unterschiedliche Schularten aufgeteilt werden", kritisierte der Landesvorsitzende Tilman Boehlkau. Dass die "Realschule plus" auch den Hauptschulabschluss vergeben soll, sei ein falsches Signal.
Auslaufmodell Hauptschule
Bundesweit wählen derzeit nur noch 23 Prozent eines Jahrganges die Hauptschule. Dies sind meist integrierte Haupt- und Realschulen, in denen alle Bildungsabschlüsse bis Klasse zehn angeboten werden.
In Großstädten wie Berlin, aber auch zum Teil im Ruhrgebiet, besuchen weniger als zehn Prozent eines Jahrganges die Hauptschule. Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen setzen aber gegen des Bundestrend und entgegen der in PISA gewonnenen Erkenntnisse weiter auf eigenständige Hauptschulen und Trennung nach Leistung bereits nach der 4 Klasse.
Mit einem hohen Ausländeranteil hat die Hauptschule oft den Ruf einer "Restschule". In vielen Regionen Deutschlands haben ihre Absolventen auch erhebliche Probleme bei der Lehrstellensuche.
|  | Drucken ...
|  |  |  |
|  |  |  |  |
|  | |