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 |  |  |  | Nettersheim, 30. Januar 2008 |
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Frage: Wie ist Ihre eigene Geschichte?
Akgün: Ich bin in Istanbul geboren und habe dort drei Jahre die Grundschule besucht. Mit neun Jahren bin ich mit meinen Eltern nach Deutschland gezogen. Hier habe ich die Grundschule beendet, danach Abitur gemacht, studiert und promoviert.
Frage: Wie waren Ihre Erfahrungen?
Akgün: Sehr positiv. Ich bin 1962 als „Akademikerkind“ nach Deutschland gekommen. Man kann sagen, ich bin nur positiv „diskriminiert“ worden.
Frage: Was heißt das?
Akgün: Das heißt, dass alle neben mir sitzen wollten und die Lehrer sagten immer „Lale soll das machen“ - alle wollten mich unterstützen. Deshalb war ich auch so erschrocken, als ich 1980 in Köln das erste Mal „Türkensau“ an einer Wand las. Das kannte ich gar nicht.
Frage: Wie fanden Sie zur Politik?
Akgün: Als Psychologin habe ich in der Familienberatung gearbeitet. Außerdem war ich als Dozentin für interkulturelle Pädagogik in Köln. Von 1997 an habe ich das Landeszentrum für Zuwanderung NRW aufgebaut und geleitet. Das war damals das erste Kind der Rot-Grünen Koalition. In der Partei bin ich seit 1982, war aber zunächst nicht aktiv. Dann bin ich von Anke Fuchs angesprochen worden und habe ihren Wahlkreis übernommen.
Frage: War direkt klar mit welchem Schwerpunkt?
Akgün: Nein, als Quereinsteiger musste ich mich erst mal in der Kölner SPD durchbeißen und durch die Parteimühle gedreht werden. 2002 wurde ich dann direkt gewählt. Das war eine tolle Geschichte. Ich war die erste direkt gewählte Abgeordnete mit Migrationshintergrund. Alle anderen sind Listenkandidaten. Ich bin bis heute die einzige direkt Gewählte.
Frage: Wie viele Bundestags-Abgeordnete mit Migrationshintergrund gibt es?
Akgün: Sechs insgesamt. Davon sind fünf mit türkischem Hintergrund, zwei in der Linkspartei, eine bei den Grünen und eine bei der SPD. Außerdem gibt es bei den Grünen noch einen Abgeordneten mit iranischem Hintergrund.
Frage: Wurden Sie im Beruf mit Vorurteilen konfrontiert?
Akgün: In meinem Beruf als Psychologin nie. Das einzige Mal, dass ich mit Skepsis zu kämpfen hatte, war meine Aufstellung durch die Partei 2001. Da war die Frage, ob man mit türkischen Namen einen Wahlkampf gewinnen kann. Damals hatten einige - nicht alle - versucht, Stimmung zu machen. In Internetforen hieß es beispielsweise „dieser Name wird uns zehn Prozent kosten“.
Frage: Ihre Reaktion?
Akgün: Ich habe gesagt: „Warten wirs mal ab, wir werden sehen - das ist ein Experiment.“ Da war die SPD mutig, bislang hatte das noch keine Partei gewagt.
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