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 |  |  |  | Nettersheim/Kall, 31. Januar 2008
 |  | | Helga Kühn-Mengel: unsere SPD Bundestagsabgeordnete
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|  |  | Beide zeigten sich sehr erfreut, dass es dem CDU-Kandidaten Roland Koch „heutzutage nicht mehr gelingt, mit platten Parolen und üblem Populismus“ Mehrheiten für sich zu schaffen. Dies sei ein Zeichen für den guten Zusammenhalt der deutschen Gesellschaft und ein wichtiges Signal nach außen. Entgegen Roland Koch vertreten die beiden SPD-Bundestagsabgeordneten die Auffassung, dass man dem Themenkomplex „Migration und Integration“ nur mit „Bildung und Chancengleichheit“ begegnen könne. Dieser Ansatz wurde auch dem Publikum im Rahmen eines Referats und einer anschließenden Diskussion von den beiden Politikerinnen vermittelt.
Das Referat unter dem Schlagwort „Integration geht uns alle an“ lieferte die studierte Psychologin Akgün, die als Islam- und Ausländerpolitikbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion tätig ist. Statt ihres eigenen Werdegangs - aus ihrer Geburtsstadt Istanbul kam sie mit neun Jahren nach Deutschland und wurde 1982 politisch aktiv - skizzierte Akgün den Verlauf der deutschen Einwanderungsgeschichte, die vor 52 Jahren begann. Damals waren es die „Gast- oder Fremdarbeiter“, die zum wirtschaftlichen Aufbau der noch jungen Bundesrepublik beitrugen. Mit der Einladung dieser Menschen war bei den meisten Deutschen die Vorstellung verbunden, dass die „Gäste“ irgendwann wieder in ihre Heimatländer zurückgehen würden.
Problem nicht erkannt
Auch die meisten „Gastarbeiter“ selber hätten damals so gedacht und sich weder Gedanken um ihre gesellschaftliche Eingliederung noch um eine berufliche Qualifizierung gemacht. 1989 kam ein weiterer „Schub“ an Migranten nach Deutschland, diesmal vorwiegend aus Osteuropa. Dennoch, so Akgün weiter, habe es noch etliche Jahre gedauert, bis auch die Politik die Bundesrepublik als Einwanderungsland formulierte. Weder vonseiten der Einwanderer noch von deutscher Seite habe man sich bis dahin konstruktive Gedanken zu einem weiteren Zusammenleben gemacht.
„Integration kann man nicht nachholen“, resümierte die Kölner Politikerin die Versäumnisse in diesem Bereich. Kernproblem der Integration und der damit verbundenen Probleme sei allerdings nicht die Religion, wie vielfach noch behauptet werde. Akgün: „Was hat ein schwuler Kurde mit einem Funktionär eines türkisch-muslimischen Verbandes gemeinsam? Oder andersherum: Ein türkischer Hochschullehrer hat mit einem deutschen Hochschulprofessor sicher mehr Gemeinsamkeiten als mit einem türkischen Fließbandarbeiter, was seinen Alltag, seinen Lebensstil, seine politische Haltung betrifft.“
Das Problem, so die SPD-Frau weiter, sei vielmehr fehlende Bildung und dadurch mangelnder Status, die besonders in Deutschland die Chancengleichheit im Beruf und die Teilhabe an der Gesellschaft bedingen. Anders als etwa „der geflohene Professor aus Teheran“, der in Deutschland Taxi fährt, um seinem Kind ein Studium zu ermöglichen, hätten viele Eltern aus dem Migrantenbereich keinerlei Werte mehr, die sie ihren Kindern vermitteln könnten. Die Werte der deutschen Gesellschaft hätten sie sich nicht zu Eigen gemacht, und die Werte ihrer Herkunftsländer seien im Laufe der Zeit verloren gegangen.
Nur der pädagogische Ansatz im Elternhaus und in der schulischen Erziehung könne einen sinnvollen Beitrag leisten, um das auch in deutschen Kreisen vorhandene „Vakuum der Werte“ zu füllen und das „Unterschichtenproblem“ zu beheben. Dazu, so betonte Lale Akgün ausdrücklich, müsse man „richtig Geld reinbuttern“. „Das wissen wir alles“, kommentierte eine Besucherin die Diskussion zum Abschluss des Abends. Woher aber, so das Ratsmitglied aus Bad Münstereifel weiter, solle eine Kommune im Nothaushalt das Geld etwa für zusätzliche Sozialarbeiter nehmen. Der Ausbau pädagogischer Programme sei nur mit Hilfe von Land und Bund machbar.
Auch Ata Seker meldete sich zu Wort. Aus der Türkei stammend kam er 1977 nach Deutschland und besitzt seit 15 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Der stark sehbehinderte Mann erfuhr laut eigener Aussage hierzulande viele Vorurteile und erhielt erst mit Hilfe einer sehr engagierten Sozialarbeiterin eine Ausbildung im Verwaltungswesen. Seit 1985 arbeitet Seker nun im Finanzamt Schleiden. Er betonte in Nettersheim: „Deutschland muss den Einwanderern diese Chancen geben zum gemeinsamen Frieden aller.“
Link: http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1201184415439
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