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 |  |  |  | Kall, 28. Mai 2008 |
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Hier der vollständige Kommentar:
"Mustafa wird die Hauptschule schaffen. Ob er aber mit seinen schlechten Noten einen Ausbildungsplatz findet, ist sehr fraglich. Hasan und Ayla stehen ähnlich da, doch immer noch besser als Abdul, der vorzeitig abgegangen ist . . . So mühsam schon die Schulkarriere vieler Jugendlicher „mit Migrationshintergrund“ verlief, so frustrierend wird ihr Versuch sein, eine berufliche Qualifizierung zu schaffen. Wer jetzt über Armut in diesem Land spricht, muss auch diese Gruppe fester in den Blick nehmen.
In Deutschland wächst ein großes, multiethnisch geprägtes Proletariat heran. Politiker, die diese Gruppe noch für eine Minderheit halten, kennen die Zahlen nicht oder wollen sie nicht kennen. Von den sechs bis elf Jahre alten Kindern haben 26 Prozent einen Vater oder eine Mutter, die im Ausland geboren wurden. Bei Erstklässlern in Berlin und in westdeutschen Ballungszonen gibt es schon Klassen mit bis zu 100 Prozent Migrantenanteil.
Natürlich werden nicht alle diese Kinder scheitern, weil es auch zugewanderte Eltern gibt, die höhere Schulabschlüsse haben, die gut beruflich eingebunden sind. Solche Eltern werden für den Schulerfolg ihrer Kinder Sorge tragen können. Gefährdet ist aber die wachsende Zahl Jugendlicher, denen zu Hause niemand helfen kann, die dort oft nicht einmal Ruhe und Platz für die Erledigung der Aufgaben finden, weil der arbeitslose Vater zu Hause sitzt und die Geschwister in der kleinen Wohnung toben.
Richtig schlimm aber wird es erst nach der Schule. Der Integrationsbericht der Bundesregierung dokumentiert den vorgezeichneten sozialen Abstieg: Von den 25- bis 34-Jährigen mit Migrationshintergrund haben 42 Prozent keine Ausbildung, bei den 20- bis 24-Jährigen sind es schon 54 Prozent.
Kein Land kann es sich im globalen Wettbewerb leisten, Talente zu vergeuden. Deutschland tut es - und bezahlt lieber für die sozialen Verwerfungen. Denn für viele Jugendliche und ihre künftigen Familien heißt die Zukunft Hartz IV - wahrscheinlich bis ins hohe Alter. Das ist ein kostspieliges Vermächtnis verfehlter Integrationspolitik. Und bedrückender noch: Wenn junge Menschen mit ständigen Misserfolgen groß werden, wenn sie von Anfang an nicht auf Augenhöhe mit den deutschen Gleichaltrigen kommen können - dann haben sie wenig Grund, sich mit diesem Land zu identifizieren und es mitzugestalten. Wer nicht dazugehört, ist schlimmstenfalls irgendwann dagegen. Entwicklungen, die daraus entstehen, haben dann mit einem einfachen Anstieg der Ausländerkriminalität nicht mehr viel zu tun.
Ohne ein milliardenschweres Förderprogramm für Migrantenkinder wird es deshalb nicht gehen. Klar, es hat sich bereits etwas getan. Aber das reicht bei Weitem nicht aus. Das Projekt „Schule im sozialen Brennpunkt“ in Berlin oder der Sprachtest für Vierjährige in NRW sind sinnvolle Ansätze. Immerhin haben in diesem Bundesland mehr ausländische Eltern ihre Kinder im Kindergarten angemeldet. Aber die Auslese für die „besseren“ Schultypen beginnt zu früh: Nach nur vier Grundschuljahren haben Migrantenkinder ihre Sprachdefizite oft noch nicht ausgleichen können. Es gibt zu wenig Ganztagsangebote, zu wenig Wohlfühlschulen, vor allem zu wenig Lehrer in Schulen mit hohem Ausländeranteil, Lehrer, die den Kindern mehr Aufmerksamkeit widmen. Das zu ändern ist teuer, aber das Geld ist besser investiert als zehn Euro mehr Kindergeld für jeden."
astrid.wirtz@ksta.de http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1211874035945
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