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 |  |  |  | Kall, 17. August 2008 |
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„In der Arbeit mit dem Institut für Pädagogische Diagnostik haben wir überrascht festgestellt, wie viele Ressourcen unsere Schule hat und bislang nicht genutzt hat. Das hat eine richtige Aufbruchstimmung unter uns Lehrern ausgelöst“, berichtet Schulleiterin Anne Dobring. Als eines der Ersten im Kreis hat das Kaller Lehrerkollegium vergangene Woche in einer zweitägigen „Schulentwicklungswerkstatt“ neue Wege erarbeitet, den Schulalltag zu gestalten. Das Institut begleitete den Prozess nach reformpädagogischen Aspekten und auf der Basis neuester Erkenntnisse der Neurobiologie. Mittels Fragebogen war zuvor auch bei den Eltern abgefragt worden, in welchen Bereichen sie sich Veränderungen wünschten.
Neben einer offeneren Gestaltung des Schulgebäudes kristallisierten sich weitere Schwerpunkte heraus. Dobring: „Natürlich können wir nicht in einem Tag die ganze Schule umkrempeln. Insbesondere inhaltliche Aspekte müssen sehr behutsam angegangen werden.“ Dennoch wirken sich die neuen Ansätze bereits auf den Stundenplan aus: „Wir haben jetzt neben dem Schulsport eine Stunde ,Bewegung pro Tag im Programm.“ Im Tagesablauf können die Lehrer der jeweiligen Situation in den Klassen besser Rechnung tragen, indem sie die Pausenzeiten selbst bestimmen. Unverändert bleibt eine Hauptpause mit Aufsicht.
In der haben die Schüler neue Möglichkeiten, sich auszutoben: „Wir haben die Turnhalle geöffnet, damit die Kinder sie als Bolzplatz nutzen können.“ Zudem sollen mehrere Spielecken - auch in den Klassenräumen - entstehen, die individuelle Beschäftigung zulassen. „So schaffen wir auch bessere Voraussetzungen für die Arbeit in Kleingruppen, um das einzelne Kind zu fördern.“ Langfristig, so Dobring, möchten die Kaller den stufenübergreifenden Unterricht mehr etablieren: „Es ist einfach nicht jedes Kind in einer Stufe in jedem Fach auf dem selben Stand.“
Versuchte man eine Essenz aus den neuen Ansätzen zu filtern, käme der Begriff „Gemeinschaft“ dem wohl recht nahe. Es betrifft die Schüler als Lern- und Lebensgemeinschaft mit mehr Begegnungsmöglichkeiten. „Das bewirkt auch, dass sich die Kinder untereinander mehr disziplinieren und Eigenverantwortung entwickeln“, so Dobring. Etwa, wenn sich eine Klasse bei geöffneten Türen durch Lärm aus dem Nebenraum gestört fühle: „Wenn ein Schüler hinüber geht und um Ruhe bittet, hat das eine ganz andere Wirkung.“ Im Eingangsbereich soll eine Infotafel als Litfaßsäule für die Schüler installiert werden. „Hier können die Kinder alles vermerken: Ob sie ein neues Kaninchen haben, das Meerschweinchen gestorben ist oder sie ein Gedicht geschrieben haben.“
„Gemeinschaft“ meint auch das Miteinander von Schülern und Lehrern. „Es war toll zu erleben, wie euphorisch die Lehrer an die Umsetzung gegangen sind“, berichtet Sozialpädagogin Christa Mann. So renovierten die Lehrer selbst in den Ferien kurzerhand einen Raum an der Pausenhalle, um anschließend mit Sack und Pack aus dem Lehrerzimmer im Verwaltungstrakt dorthin umzuziehen. Schon heute macht die stets offene Türe die Grenzen zwischen Schüler- und Lehrer-Plätzen fließend. Doch damit nicht genug: „In die Wand kommt noch ein Fenster, so dass das ,heilige Lehrerzimmer transparent und offen für die Kinder wird“, sagt die Schulleiterin.
Natürlich habe es anfangs auch Vorbehalte gegeben, so Anne Dobring im Rückblick. Umso erfreulicher sei es, dass das Kollegium nun nicht nur hinter den Veränderungen stehe, sondern voller „Schaffensdrang“ sei. „Auch wenn wir im Moment noch 20 Mal am Tag ins falsche Lehrerzimmer rennen“, so die Schulleiterin.
www.paedagogischediagnostik.de
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