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Pressespiegel:
Kall, 30. August 2008
Streit um Mobilfunkanlage im Keldenicher Kirchturm
Zoff statt Halleluja
Reiner Züll im Kölner Stadt-Anzeiger

Die Hoffnung von Pfarrer Hajo Hellwig auf ein „gutes Gespräch“ erfüllte sich nicht. Hellwig und die Mitglieder des Kirchenvorstandes gerieten gewaltig in die Schusslinie der Kritiker, die sich von der Kirche „verraten und verkauft“ fühlen, wie es ein Bürger ausdrückte. Die Emotionen gingen hoch; sogar die Abwahl des Kirchengremiums wurde in Erwägung gezogen.

Eingangs der Versammlung hatte Pfarrer Hellwig versucht zu erklären, wie es zu den Plänen gekommen war, einen Mobilfunksender im Kirchturm zu installieren. Der Mobilfunkbetreiber habe angefragt, weil der Kirchturm ein interessanter Standort für einen Sender sei. Man habe sich im Kirchenvorstand für die Installation entschieden und beim Bistum und der Gemeinde um deren Meinungen nachgefragt. HaJo Hellwig: „Als das dann auf einmal in der Zeitung stand, überschlugen sich die Ereignisse“.

„Die Kirche sieht nur die Dollarzeichen“, ereiferte sich Achim Winand und fuhr schweres Geschütz gegen die Kirchenvertreter auf: „Wenn die Presse nicht auf den Tisch gehauen hätte, wäre das Vorhaben unter der Decke gehalten worden“. „Wir wollen die Antenne nicht, im Dorf sind genug Leute an Krebs gestorben“, argumentierte ein anderer Versammlungsteilnehmer.

Der Kirche gehe es nur ums Geld, lautete die Kritik einiger Bürger. Das stritt Pfarrer Hellwig nicht ab: „Das Geld ist für die Kirche, die das auch dringend braucht, aber es bereichert sich keiner.“ Die Kirche habe auch in Keldenich Arbeitnehmer, die bezahlt werden müssten. Der Pfarrer: „Wir wussten, dass uns heute Abend hier kein großes Halleluja erwartet“. Dennoch bat er um mehr Sachlichkeit und Fairness.

Es gibt gutes Geld

Die Versuche des Mobilfunkvertreters, die angebliche Ungefährlichkeit des Senders zu erklären, scheiterten. Und auch die Feststellung „Jeder hat ein Handy, aber keiner will den Sender vor Ort haben“ zog nicht.

„Das Geld geht in den Haushalt unserer Kirche“, versuchte Kirchenvorstandsmitglied Theo Korth die Gemüter zu beruhigen: Der Vertrag sehe eine Laufzeit von 30 Jahren vor, in denen mehr als 100 00 Euro an die Keldenicher Kirchengemeinde gezahlt würden. Dr. Arno Lehmkühler hatte Bedenken wegen des Kindergartens, der sich in geringer Entfernung zur Kirche befinde. Dort würden nur drei Prozent des zulässigen Grenzwertes erreicht, versicherte Harald Rudolph. Dennoch wünschte sich Lehmkühler, man möge auf die Nutzung des Kirchturmes als Sendestation verzichten.

Die Frage nach der Würde des Gotteshauses rückten der in Keldenich wohnende ehemalige Landesarchivdirektor Dr. Heinrich Linn und dessen Ehefrau in den Mittelpunkt. Eine Sendeanlage im Turm stelle die Würde infrage. Frau Linn zitierte einen Text aus dem Johannesevangelium, in dem der Herr sagt: „Macht meinen Tempel nicht zur Markthalle.“ Was derzeit in Keldenich passiere, sei ein gleichwertiges Exemplum. „Kirchen sind keine öffentlichen Orte, sondern Stätten der Besinnung“, hob Dr. Linn mahnend den Zeigefinger. An einem heiligen Ort dürfe nur das zugelassen werden, was „mit der Heiligkeit dieses Ortes vereinbar ist“.

Pfarrer Hellwig bot Dr. Linn an, sich mit ihm in Sachen Theologie bei anderer Gelegenheit ausführlich zu unterhalten. Diese Fragen seien mit höheren kirchlichen Stellen abgeklärt. In Kall habe sich der Kirchenvorstand vor Jahren gegen eine Station im Kirchturm ausgesprochen. Jetzt stehe der Sender nicht weit entfernt auf einem anderen Gebäude. Wegen mangelnder Finanzen habe man Kündigungen aussprechen müssen. Hellwig: „Wir haben mit unserer Ablehnung alles verloren und nichts gewonnen.“

Im Verlauf des Abends kam es immer wieder zu gegenseitigen persönlichen Angriffen. Die Abwahl des Kirchenvorstandes und die Gründung einer Bürgerinitiative wurde vorgeschlagen. Sauer reagierte Pfarrer Hellwig auf den Vorwurf, dass die Kirche gegen Abtreibung sei und das ungeborene Leben schütze, während sie das der Lebenden aufs Spiel setze. Hellwig: „Ich verwahre mich gegen diese Unterstellung.“

Es ging schon auf 23 Uhr zu, als sich die Parteien noch immer in den Haaren lagen und zu keinem Ergebnis gekommen waren. Am 5. September befasst sich der Kirchenvorstand erneut mit der Problematik.

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