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 |  |  |  | Euskirchen, 28. Januar 2009 |
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Es gibt politische Rituale, die sich so sicher wiederholen wie das Amen in der Kirche. Da wir bekanntlich ein Volk von Auto-Freaks sind, gilt es als politischer Automatismus, dass der jeweils gegnerische Dienstwagen angeblich Nummern zu groß sei. Meistens wird das Stinkbömbchen geworfen, wenn eine Neuanschaffung ansteht. Naturgemäß ist es die neidische Opposition, die die Diskussion lostritt. Die muss schließlich mit ihren selbst bezahlten alten Vehikeln fahren.
Aktuell stimmt das Feindbild nur eingeschränkt. Günter Rosenke war am Freitagabend der „politische Gegner“ von CDU-Chef Clemens Pick, aber der Landrat gehört ja - einstweilen - noch der gleichen Partei an. Man könnte das im neudeutschen Nato-Militär-Jargon als „friendly fire“ beschreiben.
Pick kündigte bei seiner Bewerbungsrede an, dass er als Landrat das Hauptgewicht auf Sparsamkeit und Effizienz legen werde. Ein konkretes Beispiel führte der Marmagener an: „Der nächste Dienstwagen wird kleiner.“ Das leuchtete den neidischen Kleinwagenbesitzern und von Abgassteuer geplagten Großkarossenbesitzern natürlich unmittelbar ein: Das war ein wirkliches Argument für die Wahl Picks zum Landratskandidaten.
Nun ist es so, dass die derzeit Not leidende Automobilindustrie schon lange vorher, also auch in den fetten Jahren, der Politik, auf deren gnädiges Wohlwollen sie angewiesen ist, wirklich feine Rabatte einräumt. Die großen Drei aus Stuttgart, München und Ingolstadt beispielsweise gewähren den Amtsinhabern, vom Landrat über den Oberbürgermeister bis zum Staatssekretär, für ihre Nobel-Karossen derartige Preisnachlässe, dass beim Leasing die Kosten weitaus niedriger sind als bei anderer Leute Kleinwagen. Unsereiner könnte sich mit so wenig Geld nicht mal kleinere Autos aus Wolfsburg oder Rüsselsheim oder wer-weiß-wo leisten. Also macht es wenig Sinn, einen Landrat in einen Kleinwagen zu pferchen, und seinem Fahrer, einem stattlichen Mann, dann die Wartezeit mit eingezogenem Kopf in dem rollenden Kaninchenstall zuzumuten.
Picks Sparversuch am Dienstwagen würde faktisch das Gegenteil auslösen: die Kosten für die Dienstfahrten des Landrats in die Höhe treiben. Das weiß natürlich auch Pick, aber er wusste auch, dass viele seiner Gemünder Zuhörer das nicht wussten. Also hat er gesagt, was ihm von Nutzen schien. Sicher hat Pick auch schon ausgerechnet, womit er jene knapp 400 000 Euro einsparen will, die im Falle seines Wahlerfolgs per se schon mal in den nächsten sechs Jahren bis zu Rosenkes normalem Pensionsalter alle Einwohner des Kreises Euskirchen belasten würden. Das wäre nämlich der Preis, den wir dafür bezahlen müssten, wenn sich der von seiner Partei zur Strecke gebrachte Rosenke bis zum 65. Lebensjahr von seiner Pension ein wirklich nettes Leben machte. An ihm hat es schließlich nicht gelegen, dass man ihn in den Ruhestand gezwungen hat.
Die Höhe der Pensionskosten lässt sich überschläglich anhand der öffentlich zugänglichen Zahlen nachvollziehen. Bei Beamten ist jeweils der letzte Dienstherr für die Ruhestandsgehälter verantwortlich. Deren Höhe ist im Gesetz geregelt, sie beträgt exakt 71,75 Prozent der letzten Brutto-Besoldung.
Auch was ein Landrat brutto verdient, ergibt sich aus den gesetzlichen Bestimmungen. Seine „Gage“ - behördentechnisch als „Besoldungsstufe B 6“ beschrieben - liegt bei rund 7700 Euro im Monat. 71,75 Prozent davon machen 5524,75 Euro Pension aus. Mal zwölf Monate ergibt das knapp 66 300 Euro im Jahr, mal sechs Jahre bis zum normalen Pensionsalter Rosenkes 397 782 Euro. Wie der Landrat auf Nachfrage sagte, gingen diese Kosten zulasten der Kreiskasse.
Damit Picks Sparbemühungen für den Fall seiner Wahl zum Landrat sich für uns Bürger wirklich rechnen, müsste er also Fahrrad fahren statt Kleinwagen, und auf etwa 80 Prozent seiner Landrats-Besoldung verzichten. Dann - und nur dann - blieben zumindest fahr- und pensionstechnisch für die Bürger die Kosten im bisherigen Rahmen. Ansonsten käme das Wechselfieber in der CDU die Bürger teuer zu stehen.
Dazu ein Leserkommentar aus dem Internet (27.01.2009, 22.48 Uhr, Wertung) Nicht einkalkuliert ist, daß Herr Pick - Jahrgang 47 - schon nach zwei Jahren den Sessel räumen und einem Jüngeren überlassen kann. So gelangt er in den Genuss einer zusätzlichen "Landratsrente für notleidende Ex-Landtagsabgeordnete". Das wird günstig für den Steuerzahler...
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