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Pressespiegel:
Kall, 01. Mai 2010
SPIGEL-Online: Spendenaffaire der NRW-CDU
Rot-Grün prangert Finanztrick der Rüttgers-CDU an
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,692473,00.html

SPD und Grüne feixen - Jürgen Rüttgers hat ein Problem. Eine Woche vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen muss seine CDU nach SPIEGEL-Recherchen einräumen, dass sie 2005 eine angeblich unabhängige Wählerinitiative finanziert hat. Die Opposition spricht von illegalen Praktiken, fordert Aufklärung.

Worum geht es? Eine Werbeagentur hat die Gruppe demnach aufgebaut und dafür 40.000 Euro bekommen. Im SPIEGEL gab Rüttgers' Generalsekretär Andreas Krautscheid zu, dass die Partei schon früh in die Pläne zur Gründung der Initiative eingeschaltet war. Er begründet den Vertrag damit, dass die Initiative ihr gesammeltes Geld "komplett für Zeitungsanzeigen und andere Aktionen, nicht für die Organisation der Kampagne" habe verwenden wollen. Daher habe die CDU diese Kosten übernommen. "Man kann juristisch durchaus die Ansicht vertreten, dass die Praxis bedenklich war", sagt Krautscheid dem SPIEGEL. "Damals hat man geglaubt, das gehe so; heute muss man das juristisch vielleicht anders sehen."

Die Bundestagsverwaltung prüft nun, ob ein Verstoß gegen das Parteiengesetz vorliegt, weil die Einnahmen der Initiative nicht im Rechenschaftsbericht der CDU auftauchen. Mittlerweile erwarten selbst enge Berater von Rüttgers ein Strafgeld wegen verdeckter Parteienfinanzierung.

Rüttgers droht ein schwieriger Endspurt

Für die SPD ist der Fall klar: Oppermann spricht von einer "professionellen Tarnagentur für Geldspenden". Generalsekretär Michael Groschek sagt: "Jürgen Rüttgers und die NRW-CDU stecken mitten im Sumpf illegaler Parteienfinanzierung." Es sei "völlig unglaubwürdig", wenn der Regierungschef "nun so tut, als habe er von den illegalen Finanz-Machenschaften nichts gewusst". Zumindest trage er die politische Verantwortung für die Finanztricksereien.

Auch Grünen-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann attackiert den CDU-Landeschef. "Jürgen Rüttgers muss klipp und klar über das Finanzgebaren seiner Partei Rechenschaft ablegen", sagt sie SPIEGEL ONLINE. "Der Klüngel der NRW-CDU wirft ein schlechtes Licht auf seine Amtszeit und Amtsführung."

Rüttgers droht ein schwieriger Wahlkampf-Endspurt. Den neuesten Umfragen zufolge ist seine Regierung mit der FDP ohnehin gefährdet. Rot-Grün liegt in einer Infratest-dimap-Umfrage für die ARD gleichauf mit Schwarz-Gelb bei 45 Prozent, die Forschungsgruppe Wahlen des ZDF sieht SPD und Grüne sogar vor der Koalition - mit 44,5 zu 43,5 Prozent. Beide Bündnisse hätten aber keine Mehrheit, wenn die Linke es in den Landtag schafft. Was bei Werten von 5,5 (ARD) und 6 Prozent (ZDF) wahrscheinlich ist.

Auch bei den persönlichen Werten liegt Rüttgers nicht mehr vor Kraft. Die SPD-Kandidatin konnte in den vergangenen Wochen deutlich aufholen - und liegt in der ZDF-Umfrage sogar mit 43 Prozent vor dem Amtsinhaber, den nur 41 Prozent als Ministerpräsident behalten wollen.

"Ihm bleibt niemand mehr, den er feuern kann"

Rüttgers kann die Verantwortung in Sachen "Wähler für den Wechsel" diesmal nur schwerlich abschieben. Im Februar hatte der SPIEGEL aufgedeckt, dass die Union bei einem Landesparteitag nicht nur Ausstellungsfläche an Sponsoren vermietet, sondern für 20.000 Euro außerdem "Einzelgespräche mit dem Ministerpräsidenten und den Minister/innen" versprochen hatte. Rüttgers' Generalsekretär Hendrik Wüst nahm die Schuld auf sich und ging - doch "nun bleibt ihm niemand mehr, den er feuern kann", spottet Sozialdemokrat Stegner.

Die Affäre beweise Rüttgers' Führungsschwäche: "Er ist nicht nur ein Schein-Sozialdemokrat, sondern auch ein Schein-Parteivorsitzender", sagt Stegner mit Blick auf das Image des Ministerpräsidenten als Arbeiterführer der Union. Die Genossen fordern nun, dass Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die Vorwürfe noch vor der Wahl am 9. Mai aufklärt.

Dass es dazu kommt, ist unwahrscheinlich. Dennoch dürfte Rüttgers eine harte Woche vor sich haben.

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