| AKTUELLE MELDUNGEN Pressespiegel: Kall, 22. Januar 2012 SPD-Schulexpertin Hendricks in Mechernich bei SPD-Veranstaltung Sekundarschule als Option für ländlichen Raum Interkommunale Kooperation ist dringlich - Bericht aus KStA
Mechernich - Die Schullandschaft Nordrhein-Westfalens ist in Bewegung. Mit breitem politischem Konsens (SPD, CDU und Grüne) wurde am 20. September 2011 im sechsten Schulrechtsänderungsgesetz die Einführung der Sekundarschule beschlossen, die jetzt als Regelschule gleichberechtigt gesetzlich verankert ist. Im Zuge dieser Änderung wurde die Hauptschulgarantie aus der Verfassung gestrichen. In Mechernich ist die Welt schulpolitisch derzeit noch in Ordnung: 403 Schüler besuchen laut Schulausschuss-Vorsitzendem Robert Ohlert aktuell die Mechernicher Hauptschule, 602 Schüler die örtliche Realschule, 950 Schüler das Turmhof-Gymnasium, 498 Schüler besuchen städtische Schulen in anderen Kommunen. Die Zugänge von außerhalb belaufen sich im Gegenzug auf 150 Schüler. Im Schuljahr 2012/2013 wird mit insgesamt rund 2300 Schülern ein leichter Anstieg zu verzeichnen sein. Eine Tendenz, die sich auch im Folgejahr fortsetzen dürfte. In den Jahren danach ist nach Einschätzung von Ohlert „ein Delta zu erwarten“. Und obschon das dreigliedrige Schulsystem in Mechernich, „nicht gefährdet ist“, so Ohlert, ist in den Augen des SPD-Ortsvereins Mechernich mittelfristig in jedem Fall Handlungsbedarf geboten. Aus diesem Grunde hatten sie die für Schulpolitik zuständige stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Renate Hendricks, zu einem Informationsabend eingeladen. Sie beantwortete am Donnerstag grundsätzliche Fragen zur „Sekundarschule“. Diese neue Schulform, die man als „kleine Schwester der Gesamtschule“ charakterisieren könnte, ist ihrer Ansicht nach vor allem im ländlichen Raum „eine wichtige Option“. Die Sekundarschule umfasst die Jahrgangsstufen 5 bis 10, wobei die fünften und sechsten Klassen grundsätzlich gemeinsam unterrichtet werden. Ab der siebten Klasse ist der Unterricht integriert, teilintegriert oder kooperativ möglich. Im Unterschied zur Gesamtschule verfügt die Sekundarschule über keine eigene Oberstufe. Da sie aber mindestens eine verbindliche Kooperation mit der Oberstufe eines Gymnasiums, einer Gesamtschule oder einem Berufskolleg eingeht, wird allen angemeldeten Kindern die Chance auf das (neunjährige) Abitur eröffnet, erläuterte Hendricks. Eltern sind beteiligt „Die Sekundarschule bereitet auf die Berufsausbildung sowie auf die Hochschulreife vor“, sah Hendricks die Stärken vor allem in der „individuellen Förderung und den starken Differenzierungsmöglichkeiten“. Die Einrichtung einer Sekundarschule könne erfolgen, wenn mindestens drei Eingangsklassen mit jeweils 25 Schülern gebildet werden können. Das Prozedere: Zunächst müssten ein Grundsatzbeschluss gefasst, ein Schulentwicklungsplan erarbeitet und eine Elternbefragung durchgeführt werden. Die Schule selbst müsste ein pädagogisches Konzept vorlegen, das dann von der Bezirksregierung genehmigt und von den Eltern angenommen wird. Die Sekundarschule, in der Regel eine Ganztagsschule, ersetzt dabei die bestehenden Schulformen vor Ort. Kollegium und Schulleitung würden via Bewerbungsverfahren neu gebildet werden: Es sei allerdings nicht so, dass alles „hinten runterkippt“ – im Gegenteil solle „das Positive aus den alten Schulen mitgenommen werden“. Überdies müssten die Gemeinden kein „neues Geld in die Hand nehmen“, denn beispielsweise könnten bestehende Gebäude genutzt werden. Die Eltern ins Boot zu holen, ist ein wichtiges Anliegen, gestaltet sich aber in der Praxis offensichtlich nicht so einfach, wie die doch recht spärliche Zahl der anwesenden Publikumsgäste zeigte. „Die Sekundarschule ist eine Schulform, die Eltern nicht kennen. Dadurch entsteht eine große Unsicherheit“, brachte eine Mutter das Manko auf den Punkt. Bildungspolitische Grabenkämpfe „Angesichts der bildungspolitischen Grabenkämpfe der Vergangenheit könne man erfreulicherweise annehmen, es tue sich etwas“, wandte indes der pensionierte Weilerswister Gesamtschullehrer Klaus Fischer ein. Doch letztlich sei man mit dem Kompromiss der Sekundarschule „einer Mogelpackung aufgesessen“, denn es fehle die Oberstufe. Statt in drei werde jetzt in zwei Schubladen gedacht. „Das Ergebnis im Landtag bedeutet Denkmalschutz für Gymnasien. Wir haben ein Bildungsbürgersystem, das sich abschotten und nicht mit den Schmuddelkindern spielen will“, plädierte Fischer anschließend für eine offensivere Unterstützung der Gesamtschule – auch in den Reihen der Genossen. „An den Schulen in Mechernich wird exzellente Arbeit geleistet, aber der Weg geht woanders hin“, ist der Eindruck des Kommerner Grundschulleiters Willy Gemünd, denn „Eltern wollen, dass Kinder länger gemeinsam lernen“. In Sachen „Kooperation“ böte sich eine Zusammenarbeit mit Nettersheim schon allein geografisch an, so der stellvertretende Mechernicher SPD-Fraktionsvorsitzende Bertram Wassong. Denn grundsätzlich ist es möglich, die Sekundarschule auch in Teilstandorten zu führen. „Die Entscheidung, wie ein Schulsystem dann letztlich aussieht, müssen die Kommunen treffen. Das können wir nicht von Düsseldorf aus machen“, betonte Hendricks. | ||||
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